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IWK 2011

22. Internationales Schwimmfest

des SC DHfK Leipzig e.V.

am 08. & 09.10.2011


Leipzigs größtes Wassersport-Event: 18-Jähriger gewinnt Sprintcup beim DHfK-Schwimmfest

Leipzig. Serghei Golban hat am Wochenende erstmals den KSW-Sprintcup des 22. Internationalen Schwimmfestes in Leipzig gewonnen. Der 18-Jährige setzte sich im wichtigsten Herrenwettbewerb des zweitägigen Wettkampfs in der Universitätssporthalle mit einer Hundertstel Sekunde Vorsprung gegen den WM-Teilnehmer Martin Verner aus Tschechien durch. Laut Trainerin Eve Herbst ist das Talent von der SSG auf einem guten Weg in die Weltspitze. Bislang kämpft der Schüler des Sportgymnasiums jedoch vor allem mit der Ausländerbehörde und seiner mangelnden Konzentrationsfähigkeit.

Die erste Standortbestimmung des neuen Trainingsjahres bringt erfahrungsgemäß Erleuchtung. Auch SSG-Trainerin Eva Herbst hatte nach den Rennen ihrer 15 Schützlinge jede Menge auszuwerten, signalisierte schließlich überwiegend positive Erkenntnisse. Die gute Leistung des KSW-Sprintcup-Siegers Serghei Golban überraschte sie dabei nicht. Der 18-Jährige glänzte auf der 50-Meter-Freistildistanz vor allem mit seiner hervorragenden Tauchphase. Laut Herbst die große Stärke des gebürtigen Moldawiers, der erst seit vier Jahren in Deutschland lebt und trainiert und am Wochenende insgesamt zehn Starts absolvierte.

Herbst spricht von einem „Riesen-Talent“, sieht jedoch großen (Nachhol-)Bedarf an intensivem Training. Kritikpunkte: Schlechte Atmung, fehlender Siegeswille auf der Zielgeraden, mangelnde Kaltschnäuzigkeit und Konzentrationsfähigkeit in den entscheidenden Momenten. Beispiel: Im Rücken-Vorlauf springt Golban am Startbereich mit einer Bombe ins Wasser. „So etwas macht ein Profi nicht“, rügt Herbst. Sie verlangt seine „naive Lockerheit“ nicht am Beckenrand, sondern im Wasser.

Gelungen ist Golban all das in den entscheidenden Sekunden im Sprintcup-Finale. Lag womöglich an der zusätzlichen Motivation von (für den Schwimmsport exorbitanten) 300 Euro Preisgeld? „Ja. Auch ein wenig“, gab er im Anschluss zu, „ich wollte unbedingt gewinnen.“ Über das Achtel-, Viertel- und Halbfinale hatte sich der SSG-Sprinter mit jeweils nur dreiminütiger Pause ins unmittelbare Duell gegen Martin Verner gearbeitet. Die Muskeln brannten, die Knie zitterten. „Es tat alles sehr weh“, gestand Golban. Genau vor solchen Momenten hat er Angst, wird angesichts dieser Tatsache von seiner Trainerin des Öfteren „Weichei“ genannt. „Da gebe ich meistens auf.“ Diesmal allerdings nicht. Mit stoischer Unnachgiebigkeit peitschte sich der Leipziger durch die Bahn, schlug mit dem Wimpernschlag von einer Hundertstel Sekunde Vorsprung an und freute sich über seinen ersten Heimsieg beim Schwimmfest.

Für Herbst ist der Erfolg lediglich der erste Schritt in die richtige Richtung. Auf welchen Strecken der Allrounder künftig verstärkt ins nationale und internationale Geschehen eingreifen soll, ist noch offen. „Serghei hat viele Stärken. Wir sind noch in der Findungsphase. Er hat viele Möglichkeiten“, umschreibt die erfahrene Übungsleiterin. Vor dem nächsten großen Schritt auf sportlicher Ebene – bei den Deutschen Meisterschaften in Wuppertal will Golban im November auf der 100-Meter-Rückendistanz eine Medaille erschwimmen – folgen jedoch vorerst zähe Behördengänge. Derzeit wartet Golban mit seiner Anwältin auf einen Termin bei der Ausländerbehörde und die Deutsche Staatsbürgerschaft.

„Ich stehe vor einem entscheidenden Schritt in meiner Karriere“, sagt der Athlet. Der große Traum lautet Profisportler. Dafür möchte er seine psychischen Probleme im Wasser künftig mit einem Mentaltrainer in den Griff bekommen. Ob er in Deutschland bleibt, ist offen. Ein Stipendium in den USA, wo er auf einem Collage trainieren könnte, steht im Raum. „Er muss sich für den besten Weg entscheiden“, sagt Herbst, die ihn natürlich gern in ihrer Obhut behalten würde. Denn „ein solches Talent gibt man nur ungern aus der Hand“.

Beim traditionellen Schwimmfest, Leipzigs größter Schwimmsportveranstaltung, beteiligten sich insgesamt 305 Aktive aus 32 Vereinen und vier Ländern am Wettstreit im 27 Grad warmen Wasser. Wettkampfleiter Karsten Matthes verzeichnete 1669 Starts. Vor allem für die Landesstützpunkte in Dresden, Chemnitz und Leipzig sowie den Leipziger Bundesstützpunkt Nachwuchs gilt der Wettkampf als erste Standortbestimmung für die anlaufende Saison. „Die Beteiligung ist hervorragend. Wir erleben Schwimmsport auf höchstem Niveau“, gab der stellvertretende Abteilungsleiter Matthes zu Protokoll. Einziger Wermutstropfen für den ehemaligen DDR-Vizemeister: Die Miete für die Hallennutzung wurde in diesem Jahr fast verdreifacht, stieg damit vom drei- in den vierstelligen Bereich.

Auch bei den Damen siegte im Hauptwettkampf eine Leipzigerin von der SSG. Die 19-Jährige Abiturientin Lisa Graf schlug im Finale des Primacom-Sprintcups als Erste an.

© LVZ-Online, 10.10.2011, 11:19 Uhr

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